NLP-Technik: Lerne Ankern in 8 einfachen Schritten | ankern spazieren gehen NLP Technik: Lerne Ankern in 8 Schritten | ÖTZ-NLP & NLPt

Ankern: NLP-Technik erklärt

Was ist Ankern? Welche Hindernisse können beim Ankern auftreten? Kann Ankern zur Manipulation angewendet werden?

Kennst Du die folgende Situation? Du spazierst in einem vertrauten Stadtteil, aus einem offenen Fenster hörst Du ein paar Takte Musik und sofort taucht als inneres Bild wieder diese eine Situation auf, vor ein paar Jahren, wie Du mit einem bestimmten Menschen zusammen warst, Dich gestritten oder gefreut hast; und auch die entsprechenden Gefühle und Worte sind sofort wieder da. Denn damals in dieser Situation war genau diese Musik zu hören.

Genau das ist Ankern: Ganz alltägliche gedankliche Vorgänge, bei denen ein äußerer Reiz bildhaft, akustisch, gefühlsmäßig, geschmacklich und/oder geruchlich mit einer speziellen Situation verknüpft – geankert – werden. Dieses Verknüpfen oder Ankern geschieht häufig unwillkürlich und ohne äußeres Zutun.

Ein anderes Beispiel: Du sitzt im Zug oder im Bus und plötzlich erinnerst Du Dich auf Grund eines bestimmten Haustores oder einer bestimmten Straßenecke an eine länger zurückliegende Situation. Angenehm oder unangenehm. Du kannst ganz genau sagen, wer damals dabei war, wie es ausgesehen hat oder auch, wie es Dir dabei ergangen ist.

Oder Du sitzt in einem Restaurant und am Nebentisch wird eine bestimmte Speise serviert. Und genau diese Speise erinnert Dich zum Beispiel an Deine Oma, die Dir als Kind immer diese bestimmte Speise gemacht hat, wenn Du sie besucht hast.

1. Welche Arten von Ankern gibt es?

  • Gesichtsausdrücke, Gesten (visuell)

  • Töne (auditiv, z. B. mit Flüssigkeit gefüllte Gläser oder Flaschen, die angeschlagen werden, oder auch ein spezieller Tonfall, Wörter, Sprechtempo)

  • Berührungen, Bewegungen (kinästhetisch)

  • Gerüche (olfaktorisch)

  • Geschmäcker (gustatorisch)

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2. Wie ankert man richtig?

Generell gilt, dass Anker umso besser halten, je trennschärfer und genauer der Reiz gesetzt wird.

Auf einem mit Papier überfüllten Schreibtisch wird ein zusätzliches Blatt Papier der gleichen Farbe kaum oder gar nicht auffallen, weder dass es da ist noch wo es liegt.

Auf einem aufgeräumten Schreibtisch, auf dem fast nichts liegt, wird sich das gleiche Blatt Papier sehr viel deutlicher von der Umgebung abheben.

Auf das Ankern bezogen, bedeutet das, dass je mehr die Person, die geankert werden soll, ihre Aufmerksamkeit auf eines richtet und nicht auf mehreres, und auch je mehr sie entsprechend erregt ist in positiver Richtung (je stärker der jeweilige Ressource-Zustand ist), und je eindeutiger und unterscheidbarer der Berührungsreiz ist, desto mehr wird der Anker bei einmaliger Berührung halten und auch desto länger wird er immer wieder abrufbar sein. 

Das gleiche gilt umgekehrt: Je diffuser das ist, woran die Person denkt und je weniger unterscheidbar und je oberflächlicher die Berührung ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Du mit dem Ankern erfolgreich bist. 

3. Faktoren die das Ankern beeinflussen

  • Geschwindigkeit – wie rasch wird die Person berührt?

  • Dauer – wie lange bleibt die Berührung aufrecht? Wenn der Anker zunächst sehr lange gehalten wird, ist es wahrscheinlich, dass nicht nur ein spezieller Zustand, etwa ein Bild oder ein Gefühl, sondern eine ganze Strategie (ein ganzer innerer Videoclip) oder unterscheidbar gewisse Teile davon verankert werden.

  • Die Festigkeit bzw. die Stärke der Berührung

  • Hautwärme/Temperatur

  • Die geankerte Stelle ist bereits von einem anderen Anker belegt

  • Bei akustischen Ankern spielt es auch eine Rolle von welcher Seite der Ton gehört wird (von vorne, hinten, unten, oben, etc.)

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4. Die Rolle der Beziehung während des Ankerns

Allein die Tatsache, dass ein Mensch einen anderen berührt (gleichgeschlechtlich, gegengeschlechtlich), bedeutet ja, sich ein Stück auf den anderen beziehen, zuzulassen, sich auch ein Stück weit zu öffnen oder hinzugeben.

Das ist für unterschiedliche Menschen sehr unterschiedlich besetzt. Und es gibt hier keine Wahrheit, sondern es ist immer wieder neu herauszufinden, was es für die Person subjektiv bedeutet bzw. was es für die Beziehung der beiden, die miteinander mit Ankern arbeiten, bedeutet, wenn der eine an den anderen „Hand anlegt“.

Es kann von einem sehr körperorientierten Menschen als angenehme Unterstützung durch einen anderen körperorientierten Menschen erlebt werden, ebenso wie – und das kann exakt die gleiche Art des Berührens sein – als beinahe inakzeptables Verletzen oder Überschreiten der Körpergrenzen.

Weiters ist zu berücksichtigen, dass es nicht nur um die Berührung an sich geht, sondern dass die Botschaft hinter der Botschaft (Meta-Botschaft) ja auch bedeutet, einer kann die Gefühlswelt des anderen von außen mit beeinflussen. 

Je nach Kultur und Lebenshintergrund ist das eine sehr erfreuliche oder sehr bedrohliche Angelegenheit, die nur innerhalb einer speziellen Beziehung zueinander einen positiven Sinn ergibt.

Es kann also die Technik ganz exakt sein, wenn die hinter dem Ankern stehende Beziehung nicht funktioniert, sei es die Beziehung der zwei Personen zueinander oder auch des Menschen, der geankert wird (d. h., seine Beziehung zu sich selbst) dann wird Ankern nicht von Erfolg getragen sein.

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5. Hindernisse beim Ankern

Wir erleben in den Workshops immer wieder, dass Menschen, die sehr stark von innerer Kontrolle geprägt sind, aus Ehrgeiz zwar versuchen, sich ankern zu lassen („das MUSS doch funktionieren“).

Und eben jenes Muss – mit dem dazugehörenden Stress und der kontrollierenden Selbstbeobachtung – ist es dann, das den Erfolg des Ankers verhindert bzw. es ist zumeist nicht so, dass der Erfolg des Ankerns verhindert wird (geankert wird dann der Satz „Jetzt geht’s nicht“ oder „Das muss doch gehen“) sondern durch den selbst erzeugten Stress ist das Reinkommen in einen guten Zustand immer nur ganz kurzzeitig möglich.

Im Moment des Ankerns spielt die Selbstkontrolle einen Streich, wir gehen in die innerliche Metaposition zur Selbstbeobachtung, und der Zugang zu dem guten Zustand bleibt verschlossen.

Hier wäre zunächst einmal an den Themen von Vertrauen, emotionaler Sicherheit, etc. zu arbeiten, d. h. es ist notwendig zuerst die Beziehungsebene zu sanieren, bevor mit Technik etwas getan werden kann.

Ganz besonders sei noch darauf verwiesen, dass bei Personen, die aus ihrer Lebensgeschichte heraus keine besseren Alternativen entwickeln konnten als starke Abhängigkeitsmuster (insbesondere Menschen, die in ihrer Kindheit gewalttätigen, sexuellen oder psychischen Missbrauch stark erlebt haben) zwei sehr starke „Strömungen des Verhaltens und des Erlebens“ wahrnehmbar sind: 

Einerseits, so paradox das klingen mag, ein starkes Bedürfnis, geankert zu werden, d. h., dass von außen über ihr Gefühlsleben verfügt wird, und andererseits ein ebenso starkes Misstrauen jeder Intervention von außen gegenüber, da ja strukturell die Ankernde/der Ankernde innerlich mit der Person aus der Geschichte unbewusst verglichen wird, die die Missbrauchshandlung gesetzt hat.

Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist es – von einfachen Demonstrationen einmal abgesehen – im Sinne eines seriösen Verwendens von körperlich intensiveren Ankern ebenso professionell ratsam wie ethisch korrekt, sich ausreichend Informationen zu verschaffen über die Art und Weise, wie die Person innerlich den Prozess des Ankerns vermutlich deutet.

Oftmals wird dies auf Grund der allgemeinen Erfahrung und vieler nonverbaler Zugangshinweise möglich sein. Vor allem im Kontext von Beratungsgesprächen aber ist eine Kombination aus vorausgehender Diagnostik und prozessorientierter Feedback-Diagnostik absolut notwendig.

Das soll nun nicht heißen, dass bei diesen Personen nicht mit Ankern gearbeitet werden kann, sondern dass es umso wichtiger ist, den Kontext ganz genau zu klären und die Eigenverantwortung (und auch das Bestimmen des Was, Wo, Wie, Wann) sehr stark in den Vordergrund des Arbeitens zu rücken, was an sich einen Teil des Entwicklungsprozesses ausmacht, der oft wichtiger ist als das Ressourcen-Ankern selbst.

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6. Ankern als Tool zum Lernen

Im besten Fall unterstützt uns Ankern beim Lernen, sodass wir „mühelos“ lernen, weil eine Lehrerin, ein Freund oder einfach das Leben an sich dafür gesorgt hat, dass wir etwas bestimmtes (z. B. ein Lied) mit einer bestimmten Situation verknüpfen. Im schlimmsten Fall handelt es sich um uns plagende Erinnerungen, die uns das Leben schwer machen.

Durch methodisches Beobachten und Entwickeln ist es im NLP möglich, diese Anker zunächst bewusst zu identifizieren und dann auch Anker gezielt für positive Entwicklungs- und Interventionsarbeit einzusetzen.

In unseren Seminaren wird meist mit körperlichen, d. h. mit Berührungs-Ankern gearbeitet. Eine angenehme oder gute Situation (Ressource-Situation) wird in einem leichten Trance-Zustand mit einer speziellen Berührung durch einen anderen Menschen oder durch sich selbst zusammengelegt – verankert.

Und wenn es richtig gemacht wurde, lässt sich durch die Berührung auch der gute Zustand wieder unwillkürlich abrufen. So als ob ein neuer Reflex gelegt wurde.