Zum Phänomen des Ankerns

Kennst Du die folgende Situation?

Du spazierst in einem vertrauten Stadtteil, und aus einem offenen Fenster hörst Du ein paar Takte Musik. Und kaum hast Du die ersten Noten dieser Musik gehört, taucht als inneres Bild wieder eine Situation auf, damals vor so und so vielen Jahren, wie Du mit dem und dem Menschen zusammen warst, Dich gestritten oder gefreut hast; und auch die entsprechenden Gefühle und Worte sind wieder da. Denn damals in dieser Situation war auch diese Musik zu hören.

Oder Du fährst durch die Gegend oder durch die Stadt, und plötzlich erinnerst Du Dich auf Grund eines bestimmten Haustores oder einer bestimmten Straßenecke an eine länger zurückliegende Situation. Angenehm oder unangenehm. Und Du kannst ganz genau sagen, wer damals dabei war, wie es ausgesehen hat oder auch, wie es Dir da gegangen ist. Oder Du sitzt in einem Lokal und am Nebentisch wird eine Speise serviert. Und genau diese Spei-se erinnert Dich an …

Ganz alltägliche gedankliche Vorgänge sozusagen, bei denen ein äußerer Reiz bildhaft, akustisch, gefühlsmäßig, geschmacklich und/oder geruchlich mit einer speziellen Situation verknüpft (geankert) ist. Dieses Verknüpfen oder Ankern geschieht häufig unwillkürlich und ohne äußeres Zutun. Im besten Fall unterstützt es uns beim Lernen, sodass wir „mühelos“ lernen, weil ein Lehrer, ein Freund oder einfach das Leben an sich dafür gesorgt hat, dass wir das mit dem zusammenknüpfen. Im schlimmsten Fall handelt es sich um uns plagende Erinnerungen, die uns das Leben schwer machen.

Durch methodisches Beobachten und Entwickeln ist es im NLP möglich, diese Anker zu-nächst bewusst zu identifizieren und dann auch Anker gezielt für positive Entwicklungs- und Interventionsarbeit einzusetzen. In den Seminaren wird meist mit körperlichen, das heißt mit Berührungsankern gearbeitet. Eine angenehme oder gute Situation (im NLP heißt das Ressource-Situation) wird in einem leichten Trancezustand mit einer speziellen Berührung durch einen anderen Menschen oder durch sich selbst zusammengelegt = verankert. Und wenn es richtig gemacht wurde, lässt sich durch die Berührung auch der gute Zustand wie-der unwillkürlich abrufen. So als ob ein neuer Reflex gelegt wurde.

Ist das nicht Manipulation? Mit dem richtigen Verständnis des NLP kann die Antwort nur lauten. Ja, selbstverständlich – Nein, überhaupt nicht. Ob etwas Manipulation ist, ist zu-nächst keine Frage der Technik, sondern eine Frage, welche Werte, welche Ethik Du hast und welche Ziele Du persönlich verfolgst, wie der Rahmen Deines Handelns definiert ist. Ob das, was Du tust, abgesprochen ist oder ob Du etwas der Show wegen machst. Wenn Du das Vertrauen von jemanden missbrauchst und verdeckt mit Ankern arbeitest, noch dazu gegen die Ziele anderer Menschen, dann ist dieses Ankern eine Technik, der mit Recht Manipulationsmissbrauch vorzuwerfen ist. Wenn Du im Einverständnis des anderen mit Ressourceankern arbeitest, um ihn zu unterstützen und das Ankern als Element im Prozess des Arbeitens ist, dann ist Ankern sicher eine produktive und zulässige Vorgangsweise.

Nähere Fragen sind aber jetzt noch offen. Einerseits die technische Seite. Was konkret macht die Wirkung eines Ankers aus? Wie ankerst Du richtig? Und andererseits, was sind die Aspekte der Beziehung beim Ankern? Denn Ankern ist ebenso eine Angelegenheit der Tech-nik, wie eine Frage der Beziehung innerhalb der es passiert.

Weitere Infos dann im nächsten Teil!

Photo by Bogdan Dada on Unsplash