NEURO-LINGUISTISCHE PSYCHOTHERAPIE (NLPt)

Dr. Helmut Jelem, Mag. Peter Schütz:

Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) ist eine systemisch-imaginative Psychotherapiemethode mit integrativ-kognitivem Ansatz.

Im Zentrum der Neuro-Linguistischen Psychotherapie (NLPt) steht die zielorentierte Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Repräsentationssysteme, Metaphern und Beziehungsmatrizen der Person.

Die verbale und analoge Ausprägung und Integration der Lebensäußerungen und Informationsprozesse nimmt gleichermaßen viel Raum in der therapeutischen Arbeit ein.

Ziel der Methode ist es, Menschen beim Erreichen ökologisch verträglicher Ziele zu begleiten und zu unterstützen und die den Krankheitssymptomen zugrundeliegenden subjektiv guten Absichten innerlich durch Wertschätzung so zu positionieren, daß alte Fixierungen an inneres und äußeres unproduktives Verhalten und Einstellungen gelöst und neues subjektiv und intersubjektiv gesundes Verhalten und Einstellungen daraus resultieren können.

Die Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) ist als Methode der Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikationstraining (NLP) zwar sehr wohl in den Bereichen der Pädagogik, Lebens- und Sozialberatung, Supervision, Coaching, Managementtraining, Sport- und Gesundheitspsychologie zu finden, hat aber seit Beginn der Methodenetablierung (damals noch als "Antipsychotherapiekonzept") faktisch einen deutlich abgrenzbaren, theoretisch und methodisch ausgearbeiteten Kern- und Anwendungsbereich als Psychotherapie.

Hier ist es mit einem einzel-, paar- oder gruppentherapeutischen Setting verknüpft. Im Rahmen des psychotherapeutischen Arbeitsvertrages, eines schützenden Raumes und der Schweigepflicht steht das Ziel der Erreichung von Gesundungszielen von Personen im Vordergrund.

Als eigenständige Weiterenwicklung wichtiger Elemente der Arbeit von Milton Erickson, Virginia Satir und Fritz Perls der 60er und 70er Jahre einerseits und wegen der häufigen Übernahme von NLP-Konzepten in andere Psychotherapieschulen in den 90er Jahren, sowie der holographisch integrativen Theoriebildung der NLPt gerät - aus einer durchaus verständlichen, verbandspolitischen Positionierung der Interessen traditioneller Ausbildungsvereine neueren Schulen gegenüber - bei einer durchschnittlich gut informierten Fachöffentlichkeit oft die Tatsache in Vergessenheit, daß es sich bei der NLPt um eine faktisch seit drei Psychotherapeutengenerationen gut tradierte und europaweit ausgeübte und etablierte Psychotherapiemethode mit einer noch viel längeren Theorietradition handelt.

Die Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) basiert auf fünf historisch zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstandenen, einander ergänzenden Theorien und einer aus dem Modellierprozeß resultierenden Grundannahme:

  1. Die Kybernetik der Theorie des Geistes von Gregory Bateson, insbesondere der logischen Ebenen des Lernens und der Unified Field Theory als Weiterentwicklung (Robert Dilts)
  2. Die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura mit dem von Bandler und Grinder praktisch weiterentwickelten Modelling-Ansatz
  3. Die Transformationsgrammatik von Noam Chomsky und die darauf aufbauenden und unter dem Einfluß der Postulate von Alfred Korzybski und Glasersfeld durch Bandler und Grinder weiterentwickelten Modelle der Sprache (Metamodell und Miltonmodell)
  4. Die Annahme einer grundsätzlichen Zielorientierung menschlichen Handelns (Pribram, Galanter, Miller, TOTE, 1960)
  5. Die auf William James zurückgehende Theorie der sinnesspezifischen Repräsentationssysteme als Grundbausteine der Informationsverarbeitung und des subjektiven Erlebens
  6. Die aus der Praxis des Modellierens von Perls, Satir und Erickson resultierende Grundannahme der Existenz funktionalautonomer Persönlichkeitsanteile mit bewußten und unbewußten Prozeßkomponenten
Auf der Basis dieser Theorien und Annahmen sowie den generativ angelegten Modellieransätzen wird die NLPt regelmäßig durch Konzepte aus der Praxis erweitert.

Ähnlichkeiten und Abgrenzung zu anderen Methoden:

Pragmatisch ist vorweg das Phänomen zu berücksichtigen, daß derzeit - nicht zuletzt auch durch die Arbeiten der NLPt in Mitteleuropa - ein intensiver Austausch von Psychotherapeuten verschiedenster Richtungen stattfindet und die praktische Arbeit von guten Psychotherapeuten aus Schulen mit traditionell gegenläufigen Theoriekonzepten immer ähnlicher wird.

Es soll an dieser Stelle eindeutig gesagt werden, daß die gute psychotherapeutische Arbeit, die in allen psychotherapeutischen Ausbildungsvereinen in Österreich und Europa geschieht, wertgeschätzt wird.

Wenn im folgenden daher auf Kontraste zu anderen im österreichischen Psychotherapiebeirat vertretenen Schulen eingegangen wird, so geschieht dies sowohl wegen der expliziten Forderung des BMfGuK als auch um die Konzeption der NLPt leichter und verständlicher machen.

Unter der Perspektive des Kontrastes, insbesondere bezüglich der traditionellen Schulmethodik läßt sich im Verhältnis zur Psychoanalyse, mit der uns die grundsätzliche Betonung der Wichtigkeit von Beziehung und der wesentlichen Kraft unbewußter Prozesse verbindet, die konsequente und detaillierte Ziel- und Handlungsorientierung hervorheben und die Betonung der kreativen Ressourcen sowie die Konzeption der Teilemetaphorik ohne primär inhaltlich symboldeutende Bindung. Auch die Betonung auf Rapport, der andere Umgang mit Widerstand methodisch und theoretisch - zur Herstellung des Kontaktes zu unbewußtem Material skizziert hier typische Abgrenzungsfelder.

Während es für tieferliegende Persönlichkeitsstörungen, bei denen der Stützungsaspekt im Vordergrund steht, in der NLPt konzeptionell sehr wohl eine über ein bis mehrere Jahre gehende psychotherapeutische Begleitung gibt, ist in der NLPt vornehmlich das Primat von kürzeren Interventionen üblich, mit bewußt längeren Intervallen zwischen den Sitzungen. Auch die Länge der Therapiesitzungen ist a priori nicht nach traditionellen Zeitschemata sondern eher maßgeschneidert auf die Lage der Patienten bzw. Intervention abgestimt. Auch die verstärkungsorientierte Konzeption des Future Pace - mentales und reales Probehandeln - ist sicher kontraststiftend.

Ein weiterer Kontrast ist die Betonung anloger Darstellung und Externalisierung innerer Realitäten, sei es durch Darstellen der Wahnehmungspositionen oder Gegenstände. Auch der bewußte Einsatz ambulanter Therapien beim Patienten oder des gemeinsamen Spazierganges (analog Freud und Reich) ist in der NLPt theoretisch gut möglich und praktisch häufig zu finden.

Das gilt auch für das Verhältnis zur Gruppenpsychoanalyse und anderen tiefenpsychologischen Verfahren.

Hier sei insbesondere eine uns wichtig erscheinende konzeptive Ähnlichkeit angemerkt, nämlich die zwischen dem Konzept der Ermutigung im Rahmen der tiefenpsychologischen Schule der Individuapsychologie nach Alfred Adler und dem Ansatz der subjektiv guten Absicht der NLPt.

Hauptkontraste zur wegen des Wissens um Gruppenprozesse von der NLPt geschätzten dynamischen Gruppenpsychotherapie insbesondere in der Einzelarbeit ist die stärkere Betonung analoger Parameter bei der Arbeit und die wesentlich stärkere Zielorientierung, die in der DGt erst langsam, vertreten durch W. Pechtl (1994) und P. Schütz, Einzug findet.

Der Hauptunterschied zur integrativen Gestalttherapie traditioneller Prägung, mit der uns neben dem Phänomenologen Vaihinger der Begründer Fritz Perls und seine Arbeit verbinden, besteht in der sehr viel differenzierteren Zielarbeit, der stärkeren Betonung der sprachlichen Repräsentationsysteme und deren neurolinguistischen Beobachtbarkeit, der bewußten Arbeit mit Ankern, formalen Denkstrategien und Submodalitäten sowie einer stärkeren Betonung von assoziierten und dissoziierten Zuständen bei der Arbeit in erster, zweiter und dritter Position (Chair work) bzw. des Überganges.

Gleiches gilt für die Kontraste zum von der NLPt wegen der Ähnlichkeit im spielerischen Zugang zu den kreativen Ressourcen der Menschen sehr geschätzten Psychodrama, wobei in der NLPt mehr die Einzel- und im Psychodrama mehr die Gruppenarbeit sowohl historisch als auch pragmatisch im Vordergrund steht. Darüber hinaus soll angemerkt werden, daß in der sehr häufigen Gruppentherapieform der NLPt das Schwergewicht in der äußeren Darstellung der inneren Repräsentation, der Loyalitätsorganisation und der für Heilung relevanten Umorientierung derselben liegt.

Ein Unterschied zur Verhaltenstherapie bzw. den traditionell verwendeten behavioristischen Modellen, mit der uns die gemeinsame Nähe zu kognitiven Ansätzen fasziniert und verbindet, ist die bei NLPt engere Indikationsstellung von Ankern (Verstärkern) und der integrative Ansatz mit Trancen und Metaphern. Ein weiterer Kontrast ist sicher die psychodynamische Orientierung in der NLPt-Beliefarbeit mit der wertschätzenden, die Lebensgeschichte verstehenden Haltung.

Die Kontrastbereiche zum klassischen Autogenen Training, mit dem uns die Wertschätzung vieler Annahmen über Tranceprozesse verbindet, liegen primär darin, daß NLPt nur im Ausnahmefall mit formelhaften Vorsatzbildungen arbeitet und den personen-individuenspezifischen Repräsentationssystemen und dem Finden spezifischer Eigenbilder mehr Raum läßt.

Der Kontrastbereich zu der vom NLPt wegen der Ähnlichkeit in vielfacher Trancearbeit sehr geschätzten katathym imaginativen Psychotherapie KIP ist die sehr viel stärkere Betonung inhaltsarmer Arbeit (z.B. 6-Step-Reframing) im Gegensatz zur Symboldeutung und Symbolvorgabe und auch die stärkere zielorientierte Arbeit.

Der Kontrastbereich zur klassischen Hypnose, mit der sich die NLPt auf Grund der gemeinsamen Wurzel in Milton Ericksons Arbeit gut verwandt fühlt, ist die bewußtere Integration detaillierter repräsentionaler Denkstrategien und Mischphysiologien in die Arbeit und die stärkere Betonung der Loyalitätsorganisation des Menschen.

Der Kontrast zur klassischen klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers, an der wir die unbedingte Hinwendung zum Menschen und zur Geduld sehr schätzen und für ähnlich wichtig halten, ist ebenfalls durch stärkere Zielorientierung, bewußte Intervention mit Trance und Ankern und eine andere Verwendung von Spachmodellen geprägt.

Von der klassischen Transaktionsanalyse, mit der uns die Akzeptanz des Unbewußten, die Betonung der Loyalitätsorganisation und die Handlungsorientierung in der Interventionstechnik verbinden, unterscheiden uns konzeptionell die offene Architektur des Modells der Teile im Gegensatz zu fix benannten Ich-Zuständen und auch die noch viel stärkere Zielorientierung.

Mit der systemischen Psychotherapie verbinden uns natürlich neben dem gemeinsamen Vorbild Virginia Satir und ihrer Arbeit, eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen, die sowohl NLPer als auch Systemiker sind, der Ursprung des Teilekonzeptes und zusätzlich die theoretischen Konzepte der unterschiedlichen Beschreibungen der Welt, darüber hinaus aber vor allem die Erlaubnis zum paradigmatischen Einsatz von Humor in der Psychotherapie.

Eine Differenzierung der NLPt zur systemischen Psychotherapie als systemisch imaginativer Ansatz ist in der stärkeren Integration und Beachtung von Trancen und Alltagstrancezuständen und deren Einfluß auf System und Einzelpersönlichkeit zu sehen, darüber hinaus auch die noch sehr viel detailliertere Arbeit an Zielorientierungen und Zielzuständen in der Einzelarbeit, die starke Betonung von Rapport und Resonanzphänomenen und die faszinierende, systemische Arbeit mit Repräsentationssystemen, Submodalitäten und Timeline-Konzepten.

Dr. Helmut Jelem ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Oberarzt am Psychiatrischen Krankenhaus der Stadt Wien, Psychotherapeut, Lehrtherapeut der Österreichischen Ärztekammer und NLPt-Lehrtherapeut am ÖTZ-NLP.

Mag. Peter Schütz ist Lehrpsychotherapeut (DG), Gesundheitspsychologe, Lebens- und Sozialberater, Supervisor und Trainer im ÖAGG sowie NLPt-Lehrtherapeut am ÖTZ-NLP.