Institutsvergleich
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Ein Konsumentenführer durch die Vielfalt von
NLP-Kursen, Diplomen und Angeboten
eine professionell-europäische Perspektive
Peter Schütz
NLP-Kurse gibt es viele, fast alle werden – ursprünglich aus Marketingüberlegungen – "NLP-Practitioner" genannt (in Anlehnung an die amerikanische Berufstradition – practitioner of law, practitioner of medicine, ...).
Profil, Inhalt und Länge haben sich seit den ersten Practitioner-Kursen 1978 sehr gewandelt und diversifiziert. Mangels allgemein anerkannter Vereinigungen und Standards gibt es inzwischen eine große Vielfalt, was auch der NLP-Denkweise entspricht.
Gleiches gilt für die Qualifikation und Zertifizierung von NLP-Trainern, Lehrtrainern und Lehrpsychotherapeuten.
In der Praxis der NLP-Ausbildung handelt es sich meistens um Anwendung psychologischer bzw. psychotherapeutischer Vorgehensweisen, da die meisten NLP-Modelle aus der Modellierarbeit von Psychotherapeuten stammen. D.h. NLP arbeitet zumeist nicht nur mit der Oberflächenstruktur der Gedanken, Formulierungen und den sozialen Rollen vom Menschen, sondern immer auch mit der Tiefenstruktur der Gefühle, Glaubenssätze und der Psyche des Menschen.
Daher lohnt es sich, sehr genau darauf zu achten, wem man sein psychisches, emotionales, soziales und spirituelles Lernen fachlich und menschlich kompetent anvertraut.
Interessanterweise besuchen viele Personen – motiviert durch tolle Versprechungen in NLP-Büchern und marktschreierischen Artikeln – NLP-Kurse statt einer Psychotherapie. Was sicher legitim ist. Andere wieder benutzen auf der Basis einer entsprechenden Berufsqualifikation NLP als professionelle Fortbildung. Auch hier macht es sich bezahlt, sich genauer zu erkundigen, was Sache ist. Manche NLP-Kurse sind – je nach Qualifikation der Ausbildner – für staatliche Coaching-/Therapie-/Mediations-Lizenzen anrechenbar.
Die Daten sind so genau als möglich recherchiert und entsprechen dem Sprachgebrauch der Branche, der sicher vielfältig ist.
Im Regelfall gilt: Je kürzer der Kurs, desto teurer pro Tag, und desto problematischer die wahrscheinliche Ausbildungsqualität, d.h. die längeren Kurse haben das beste Preis-Leistungsverhältnis. Ausnahme: Massenkurse von 7 Tagen mit mehr als 100 Teilnehmern können pro Tag wieder billiger werden.
Es macht auch einen wesentlichen Unterschied, wie gezielt geschult und supervidiert wird. Die traditionelle Arbeitsform des NLP sieht vor, dass abwechselnd jeder als Coach, Klient oder Beobachter arbeitet. Daher ist es auch für die Qualität der Ausbildung wichtig, ob aus finanziellen Gründen jede Person als Teilnehmer aufgenommen wird, oder ob durch geschulte Fachkräfte ein Auswahlverfahren erfolgt. Andernfalls kann es leicht vorkommen, dass psychisch schwerst belastete und instabile Personen im Kurs mit Ihnen aktiv als Coach arbeiten.
Selbstverständlich ist es möglich, in jeder dieser Arbeitsformen zu lernen und positive menschliche Erfahrungen zu machen – vermutlich mit unterschiedlicher Tiefe und Differenzierung.
Ähnliche Ausdifferenzierungen finden sich bei Zugangsvoraussetzungen, Kompetenz, Erfahrung und Ausbildung von "NLP-Trainern" statt.
Eine der Grundpositionen im NLP ist es, das Positive herauszustreichen und nichts zu unternehmen, was von anderen Personen als abwertend oder kränkend erlebt werden könnte. Damit wurde lange Zeit eine in anderen Bereichen von Training, Wissenschaft, Körperkünste etc. übliche Differenzierung und Auseinandersetzung über Standards vermieden, was zur Folge hatte, das es sehr schwierig wurde, Glaubwürdigkeit und valide pragmatische Kommunikationsstrukturen zu etablieren.
Während etwa in der Welt der Ärzte, Richter, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Karatelehrer, Zen-Mönche, Priester, Klinischen Psychologen, Berufspiloten, usw. aufgrund von Ausbildungsstruktur, Schulentradition, standardisierter Zugangsvoraussetzung, Ausbildungslänge und Tradition das getestete Minimumwissen und Durchschnittswissen sehr gering statistisch streut und in größeren gesellschaftlichen Systemen verankert sind, sind fast all diese Parameter in der NLP-Welt kaum diskutiert, vereinbart bzw. in andere staatliche und halbstaatliche Systeme eingebunden.
Das führte unter anderem dazu, dass in manchen Ländern auf politischer Ebene darüber diskutiert wird, aus Gründen des Konsumentenschutzes NLP zu verbieten oder einzuschränken. Auch wird NLP deshalb oft journalistisch und fachlich sehr vereinfacht und/oder nicht wirksam dargestellt.
Während erwartet werden kann, dass ein NLP-Ausbildner sowohl hohe persönliche Reife, Erfahrung, als auch überdurchschnittliche Kompetenz im psychosozialen Bereich und Wissen im fachlichen Bereich hat, sieht die Realität extrem breit gestreut aus.
Die Spannweite von Menschen, die NLP-Kurse anbieten reicht vom reichlich verwirrten, esoterischen oder wissenschaftsfeindlichen Highschool-Dropout, der in wenigen Wochen sich sein Trainerzertifikat erkauft oder ersessen hat, über "get rich quick Immobilienmakler mit Hang zur Macht" bis hin zum in der Arbeit mit Menschen langjährig erfahrenen Zen-Mönch und Arzt mit 5-jähriger solider Trainerausbildung und Selbsterfahrung.
Aus
sozialwissenschaftlicher Sicht (im Sinne der Typologien von Bacon) hat sich
NLP in 4 Richtungen entwickelt, die aus den Kursprospekten nicht sofort erkennbar
sind.
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Power
Guru
I I Esoterisch fragmentiert ----------------I---------- Wissenschaftlich professionell I I Visionär dogmatisch |
Esoterisch
fragmentiert
Kurse unterschiedlicher Länge, sehr naturnahe Designs mit viel Tanz und
Musik, wissenschaftsphobisch, an überwiegend "hypnotischer" Sprache erkennbar,
die Ausbildner haben selten höhere abgeschlossene Berufsausbildungen und/oder
Berufsberechtigungen.
Power
Guru - Clubbings (soft fascists)
Meist sehr kurze Kurse, geblockt, sehr intensives Großgruppenerlebnis,
auch bis zu mehreren 100 Personen, eher "young power male"-orientiert, kurzfristig
selbstbewusstseinsstärkend orientiert, überwiegend Demonstrationen
vor der Großgruppe, kaum fachlich angeleitetes und supervidiertes Training.
Visionär
spiritual dogmatisch
Meist längere Blockkurse, viel strukturiertes schriftliches Material, stark
beziehungs- und dogmatisch wertorientiert im Sinne der amerikanischen "political
correctness", durchaus persönlichkeits- und selbsbewusstseinsstärkend,
weniger auf Kompetenztraining und Verständnis von Gruppenprozessen hin
organisiert.
Professionell
wissenschaftlich
Eingebunden in staatliche und halbstaatliche Organisationen, wertorientiert,
didaktisch und technologisch fokussiert, um neben positiver Persönlichkeitsentwicklung
auch tatsächliche Handlungskompetenz nachweisbar zu vermitteln (Videofeedback,
strukturierte Peergruppenprozesse, aktive Fallsupervision im Kurs, realistisches
Testing mit Fremdreferenz.
Große
NLP-Verbände – zumindest im deutschen Sprachraum – haben sich traditionell
aus kommerziellen und politischen Gründen auf Minimalstandards bzw. Kurslänge
und Inhalte geeinigt, da z.B. zweiwöchige Trainerkurse leicht und rasch
Geld bringen.
Etwas bessere Standards bzgl. der Trainerqualfikation bieten kleinere Trainerverbände (INLPTA, ÖBV-NLP, NLP-Professionell, EANLPt ...).
Es empfiehlt sich daher, vor Besuch eines Kurses genau zu recherchieren und weniger auf die äußere Aufmachung und mehr auf den tatsächlichen Hintergrund der Ausbildner und die Strukturen zu achten. Es scheint auch so zu sein, dass Ausbildungen, die von mehreren erfahrenen Trainern gemeinsam geleitet werden, weniger auf Abhängigkeit und mehr auf Vielfalt der gelebten Modelle Bedacht nehmen, und bei Konflikten mit Kursteilnehmern bessere Chancen einer win-win-Regelung haben.
Die
im folgenden verwendeten Kodierungen für Training-Standards sind ideal-typische
Beschreibungen (Typologien), natürlich gibt es auch Mischformen.
Außer Konkurrenz finden wir:
Standard
Fernstudium: Ja auch das gibt es: Ihr zertifizierter mail-order NLP-Practitioner
J (einige Tonbandkassetten und Lehrbücher für das Fernstudium), manchmal
ein Tag Abschlusskurs.
Die
Hauptphänomenologien der NLP-Practitioner-Kurse
* Standard Speedy
5
- 7 Tages-Kurse. Häufig mit 50 - 300 Teilnehmern, viele Großgruppentrancen
mit Rockberieselung, auch Business- (Verkaufsmotivations)-Kurse, häufig
im englischen Sprachraum zu finden, auch bei US-Firmen, die im deutschen Sprachraum
Fuß fassen wollen.
** Standard Quick
130 Stunden, 16 - 18 Tage. Meist in einem bis zwei Blocks, häufig Trainer mit Miniausbildung (2 Jahre) vor Trainingsbeginn, Assistenten-Mindestqualifikation nur 110 Stunden.
Kein Auswahlverfahren.
Aus diesen Kursen ist im Regelfall weder praktische Handlungskompetenz noch Berufsberechtigung ableitbar. Häufig bei DVNLP-Ausbildungen zu finden.
Positiv:
Der Clubbing-Charakter, 2 Wochen hindurch eine schöne Zeit um relativ viel
Geld. Produzieren oft kurzfristige highs, mit wenig follow up-Möglichkeiten.
*** Standard Kommerziell
180 Stunden, 24 Tage. Ausbildung über mehr als 9 Monate gestreckt. Trainerausbildung mindestens 4 Jahre vor Trainingsbeginn, Assistenten-Mindestqualifikation 220 Stunden. Auch bei DVNLP-Ausbildungen zu finden.
Kein
Auswahlverfahren.
Sonderform Kommerziell Block (Feriencamps)
In USA und Europa, Qualität sehr unterschiedlich, Anrechenbarkeit mit europäischen Rechtsnormen selten möglich. Produzieren oft kurzfristige highs, mit wenig follow up-Möglichkeiten. Sehr oft mit sehr großen Gruppen (mehr als 50 Personen).
Interessant wegen der Gruppendynamik und der Mehrsprachigkeit. Auch hier sehr große Unterschiede in Design und Standard.
Kein Auswahlverfahren.
Mit
diesem Kurstyp in der Kombination mit quick-Kursen ist es möglich, in wenigen
Monaten zu Trainerzertifikaten zu gelangen.
**** Standard Solid (ÖBV-NLP 1)
240 - 280 Stunden, 35 - 40 Tage. Ausbildung über mehr als 9 Monate gestreckt, professionelle Supervisionen, Peergroups. Schwerpunkt in der persönlichen Entwicklungsarbeit und professionellen Methodik.
NLP-Trainerausbildung mehr als 4 Jahre vor Trainingsbeginn, ausreichende Einzelselbsterfahrung und Supervision der Trainer, mehrere Trainer.
Auswahlverfahren.
***** Standard Professional (ÖBV-NLP II)
240 - 280 Stunden, 35 - 40 Tage. Ausbildung über mehr als 9 Monate gestreckt, professionelle Supervisionen, Peergroups, Zielcoaching-Video verpflichtend, Testing mit externen Personen.
NLP-Trainerausbildung mehr als 5 Jahre vor Trainingsbeginn, ausreichende Einzelselbsterfahrung und Supervision der Trainer, mehr als 3 Lehrtrainer, die auch voll qualifizierte Psychotherapeuten, Ärzte, psychologische Berater sind.
Strukturiertes
Auswahlverfahren.
| Dauer | Trainer
Aus- bildungs- standard |
An-
rechen- barkeit in Österr. bei gesetzl. Aus- bildungen |
Prof. Testing mit Video + extern. Klienten | >
3 Lehr- trainer sind lizens. Psycho- thera- peuten |
Dauer | Struk-
turiertes schrift- liches Video- Feedback für Teilnehmer |
Profes-
sionelles Zulassungs- verfahren |
Gruppen-
größe |
|
| Fern | ? | ?? | nein | ? | unbegr. | nein | ? | ? | |
| Mini | 5-7 Tage | ?? | nein | nein | ? | 1 Woche | nein | nein | unbegr. |
| Quicky | 14
Tage Block |
DVNLP
21 Tage |
nein | nein | nein | Block,
ev. zus. 1 Wo-En |
nein | nein | unbegr. |
| Kommer-
ziell |
18-24 Tage | DVNLP
21 Tage |
tw | nein | nein | ca. > 6 Monate | nein | nein | unbegr. |
| Solid | 30-35 Tage | >ÖBV-NLP-
Standard (> 80 Tage) |
tw | nein | nein, tw | > 9 Monate | nein | tw | 30 |
| Profes-
sionell |
35-40 Tage | >ÖBV-NLP-
Standard (> 80 Tage) + Psycho- therapie- ausbildung, Nachw. der Arbeit mit realen Klienten |
ja | ja | ja | > 9 Monate | ja | ja | 30 |
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Mag. Peter Schütz, geb. 1952 in Wien
Lehrpsychotherapeut (ECP, DG) und Gesundheitspsychologe
Mediator, Gruppentrainer und Supervisor
1984 Mitbegründer und Geschäftsführer des Österreichischen
Trainingszentrum für NLP und NLPt
Univ. Lektor für med. Psychologie, NLP Kommunikationstraining, Konfliktmanagement
EMDRIA-Europe-approved consultant, security & police psychologist (ASIS)
Generalsekretär der European Association for Neurolinguistic Psychotherapy
(EANLPt)
Geschäftsführender Gesellschafter der A. Schütz & Co.
NLP-Unternehmensberatung
siehe auch: Upgrading und Das soziale Feld der NLP & NLPt